1968/2018 – WHERE HAS ALL THE SPIRIT GONE?

AFTER AUDIENCE

THEORY LIKE SWIMMING IN THE STORM

REINVENTING UTOPIAN THINKING

RECLAIMING DEMOCRACY

MOVEMENTS IN FEMINISM / FEMINISMS IN MOVEMENT

1968/2018 – WHERE HAS ALL THE SPIRIT GONE?

25. Mai bis 27. Mai und 30. Mai 2018

25. Mai     26. Mai     27. Mai     30. Mai     Kurzbiografien

Den Auftakt der Veranstaltungsreihe markiert Chris Markers epischer Montage-Essay Le Fond de l’‘air est rouge (Rot liegt in der Luft, F 1977/93). Dieses Hauptwerk des europäischen Kinos über Aufstieg und Fall der politischen Linken von 1966 bis 1977 ruft die globale Dimension des langen 1968 ins Bewusstsein. Nach dem Scheitern der emanzipatorischen Bewegungen war Marker bildgewaltig, poetisch, solidarisch, aber auch ironisch ihren Überresten, einem „roten Lüftchen“ auf der Spur. Diesen Faden nimmt das Programm auf und versammelt lokale und transnationale Perspektiven von Zeitzeug_innen und Nachgeborenen in Vorträgen, Dialogen und Gesprächsrunden. Unter dem Titel 1968/2018 – Where has all the Spirit gone? wird gleichermaßen danach gefragt, wo der gesellschaftsverändernde Geist geblieben ist und welche Formen der Aktualisierung entworfen werden können.


Der Film- und Medienwissenschaftler Vrääth Öhner führt in Chris Markers Film ein. Er versteht diesen als widersprüchliches visuelles Gedächtnis des Geistes von 1968. Vor dem Hintergrund des Paradoxons des Scheiterns der 68er-Bewegungen in allen politischen und ökonomischen Anliegen und des gleichzeitigen Erfolges in kultureller Hinsicht, analysiert der Kunst-historiker und Soziologe Jens Kastner die 68er-Jahre als globale Kultur-revolution. Ungenutzten revolutionären Potenzialen vergangener Aufstände (1956 / 1968 / 1989) gingen die Kurator_innen Maja und Reuben Fowkes in einer Ausstellungstrilogie zwischen 2006 und 2009 nach und unterziehen diese nun, angesichts eines populistisch und postdemokratisch transformierten politischen Klimas, einer kritischen Revision. Persönliche Perspektiven auf Realität und Alltag in der Kommune Friedrichshof eröffnet das Buch „Das FH-Projekt“ der Künstlerin Kerstin von Gabain, das auf Gesprächen mit acht Personen ihrer Generation basiert, die dort aufgewachsen sind. Nach diesen kulturhistorischen, kuratorischen und künstlerischen Schlaglichtern mit globaler, regionaler und lokaler Dimension widmet sich ein Roundtable mit Alexander Horwath, Wolfgang Kos, Maria Mesner, Robert Misik, Stella Rollig, Marlene Streeruwitz und Sibylle Hamann der Relevanz von 1968 für die gegenwärtige gesellschaftliche, politische und kulturelle Verfasstheit. Eine filmische Antwort auf die Frage nach Möglichkeiten der Aktualisierung gibt die portugiesische Künstlerin Filipa César: Sie begreift das Arbeiten mit Archivmaterial aus den 1960er- und 1970er-Jahren als emanzipatorische und transformative Praxis. Auch das Kurzfilmprogramm verbindet historische, archivarische Aufnahmen mit aktuellen experimentellen Bildproduktionen. Sie erzählen vom Eigenen, vom Fremden und von deren Indienstnahme und üben dabei Kritik an der Bildmaschine Kino selbst. LZ

© Belvedere, Wien