MALEREI IM ERWEITERTEN FELD

1960 beginnt Günter Brus mit einer radikal gestischen Malerei. In sei- nem Streben aus dem klassischen Tafelbild auszubrechen kreiert er „Raumbilder“, bei denen die formalen Grenzen der Leinwand keine Rolle mehr spielen.

Seine späteren Performances und Aktionen sind als Weiterentwicklung der informellen Malerei zu sehen.  In seiner ersten Performance Ana steht 1964 der eigene Körper im Zentrum der künstlerischen Ausein- andersetzung. Konsequent erweitert Brus den Werkprozess und lädt seine Aktionen und Performances mit weiteren Bedeutungsebenen auf.

Ist der Körper anfangs noch Trägermaterial des malerischen Prozes- ses, so wird er später zur Membran und zur Metapher gesellschaftli- cher Prozesse und damit auch zur Projektionsfläche seiner Gesell- schaftskritik. Mit seiner letzten Aktion Zerreißprobe, die 1970 den radi- kal erweiterten Malereibegriff des Künstlers mit und an seinem Körper verdeutlicht, hat Günter Brus die Geschichte der Performancekunst maßgeblich geprägt.

Foto: Sophie Thun, © Belvedere, Wien

Portfolio Ana IV, 1964/2004

SW-Fotografien

Fotos: Khasaq (Siegfried Klein), © Belvedere, Wien