Titelgeschichte – Into the Night

Die Fledermaus ist wieder da!

Das Kabarett Fledermaus: in den Jahren von 1907 bis 1913 einer der heißen Orte der Wiener Moderne. Für die Ausstellung Into the Night wurde dieser legendäre Treffpunkt nun wiederaufgebaut.


„Nie hat es ein farbigeres und beschwingteres, kapri- ziöseres und originelleres Kabarett gegeben als die Fledermaus und nirgends bessere Weine als in der Bar“, hielt der Schriftsteller Egon Friedell im Rückblick fest. Noch heute kennen viele die berühmte Postkarte des Etablissements – lustig-farbenfrohe Fliesen im mi- nimalistisch-modernen Design von Josef Hoffmann. Keine einzige dieser Keramiken aus dem vermutlich zwischen 1913 und 1945 zerstörten Mosaik ist heute noch erhalten. Nur eine Schwarz-Weiß-Fotografie des damals aufsehenerregenden Barraums existiert noch.

Nie hat es ein farbigeres und beschwingteres, kapri- ziöseres und originelleres Kabarett gegeben als die Fledermaus Egon Friedell

Diese Aufnahme diente der Universität für angewand- te Kunst Wien nun als Grundlage, um das Keramikde- kor der Fledermaus für die Ausstellung Into the Night zu rekonstruieren. Unter der Leitung von Cosima Rainer und Sofie Mathoi wurde eine beeindruckende Vielfalt von Motiven wiederentdeckt: Neben folkloris- tischen Elementen finden sich abstrahierte, fast comi- cartige Motive – Augen, Bären, Vögel, Pflanzenranken, mythologische Figuren, Karikaturen oder dekorative Muster. Schwer nachvollziehbar ist heute, welcher Künstler wie viel davon beigesteuert hat. Gemeinsam mit Expert_innen und Künstler_innen wie Maria Wiala (Keramikstudio an der Universität für angewandte Kunst Wien) oder Beate Seckauer (Firma Neuzeug- hammer Keramik) wurden 44 Dekore anhand der Ent- würfe von Josef Hoffmann, Bertold Löffler und Michael Powolny nachgebildet. Schüler_innen der Keramik- schule Stoob verlegten diese nach den Originalmus- tern mit monochromen Fliesen und Industriematerial auf 98 Paneele. Daraus entstand die stilistische Adap- tion des Fliesenmosaiks, die derzeit als Leihgabe im Unteren Belvedere zu bewundern ist. Sie demonstriert den Besucher_innen eindrucksvoll das nahezu psyche- delische Raumgefühl der Wiener Moderne.


Text — Sasha Schinckel

Josef Hoffmann, Wiener Werkstätte Postkarte No. 74 (Barraum im Kabarett Fledermaus), 1907

Foto: Sammlung Leonard A. Lauder

Rekonstruktion der Fledermaus-Bar in der Ausstellung Into the Night in der Orangerie des Unteren Belvedere

Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien